Beiträge von Conny

Oktoberstammtisch 2011 – Minireview

Diesmal war ich ausnahmsweise schon 19:30 Uhr da, einfach weils sich so ergeben hat. Außer der freundlichen Bedienung war die Buchbar allerding wie leergefegt. Und für den Rest des Abends sollte das auch irgendwie so bleiben. Lediglich kurz nach 20 bzw. 21 Uhr tauchte noch jemand auf, so daß wir schließlich zu dritt waren. Auf den ersten Blick eine etwas magere Ausbeute, auf den zweiten Blick jedoch gar nicht so dumm, konnten wir uns auf diese Weise besser aufeinander konzentrieren und jeder hatte die Möglichkeit, seine Gedanken ausführlich darzulegen. Die Themen streiften von „Wahrnehmung des eigenen Körpers“ über Postmoderne und Milieubildung bis hin zu der Frage, was denn nun eigentlich die Grundlage des Bauchgefühls ist – ist es die Summe aller Erfahrungen, die man jemals gemacht hat oder steckt vielleicht doch eine spirituelle Verbindung dahinter? Beziehungsthemen wurden natürlich ebenfalls gewälzt. Ein sehr gemütlicher Abend!

Kommunikation

Am Wochenende war ich bei einem Workshop zum Thema „Würdevoller Sex“ zu Gast. Inhaltlich ging es nicht darum, wie man sich am besten auszieht oder ähnliche Spielereien. Ganz im Gegenteil, ca. 25 Teilnehmer saßen brav angezogen im Kreis und wurden dazu animiert, über die Grenzen in ihrem Kopf zu sprechen. Denn wenn dort Spannung herrscht, ist die Flaute im Bett vorprogrammiert. Um den Spaß anschließend weiter auszubauen wurde den Teilnehmern mit auf den Weg gegeben, sich ein paar Kenntnisse über Anatomie und Körperfunktionen anzueignen, die eigenen Wünsche und Vorlieben kennenzulernen sowie selbige dem Gegenüber mitzuteilen. Mit viel Zeit den Partner im Bett eingehend erforschen. Klingt zunächst banal, tatsächlich besteht in unserer pornografisierten Leistungsgesellschaft genau auf diesem Gebiet ein großes Defizit – viel Nichtwissen, statt dessen ein Haufen Annahmen und Vermutungen sowie noch mehr Verunsicherung und Versagensängste. Der Mensch wird zum Objekt, welches zu funktonieren hat.

Die Veranstaltung wurde von Andrea und Veit Lindau geleitet. Ein überaus gut eingespieltes Paar aus dem Gebiet Personal Coaching und Lifemanagement. Mit lockeren Sprüchen, Anekdoten aus dem eigenen Leben und jeder Menge Charisma waren sie sofort sympathisch. Profis eben. Sehr spannend, sowas mal zu erleben.

Eine der Kernaussagen war: Kommunikation. Teile Dich Deinem Gegenüber mit, denn Gedanken lesen kann tatsächlich niemand. Erzähle Deinem Partner, was in Dir vor geht, welche Gedanken Dich beschäftigen, was Du an ihm gut findest und was nicht, was Du Dir wünschen würdest. Offen. Schonungslos. Ehrlich. Und der Gegenüber hört zu. Hört einfach nur aufmerksam zu. Ohne irgendwas zu kommentieren oder dazwischen zu quatschen. Denn um ihn geht es grad nicht.

Die Wahrheit sagen ist eine sehr große Herausforderung. Denn mal ehrlich: Wer wurde schon dazu erzogen, die Wahrheit zu sagen? Als Kind lernt man, zu gefallen. Man ist nur dann gut, wenn man den Erwachsenen Freude macht. Also gibts bestenfalls noch eine (stark) geschönte Version der Wahrheit. Aber hundertprozentige Ehrlichkeit? Nein. Sowas kann unbequem sein. Sehr sogar. Sie konfrontiert die Menschen mit sich selbst, kann weh tun, löst unvorhersehbare Veränderungen aus, bringt alles durcheinander. Angst! Also lieber nichts sagen. Nicht mal zu sich selbst! … oder?

Februarstammtisch 2011 – Rückblick

Zweiter Stammtisch in diesem Jahr, der perfekte Zeitpunkt also, die Tradition des Rückblicks wieder aufzunehmen.

Neben vier Leuten, die schon seit Gründung des Stammtisches dabei sind, durften sieben neue bis ganz neue Gesichter begrüßt werden. In einer fragmentarischen Kennenlernrunde offenbarten sich interessante Beziehungsmodelle – u.a. die Eltern eines kleinen Kindes, die in getrennten Wohnungen im gleichen Haus wohnen, kein Liebespaar mehr sind und trotzdem den Spagat aus Familien- und eigenes Privatleben meistern; zwei Frauen, die schon seit Jahren befreundet sind und ihre gemeinsamen Gefühle erst vor nicht allzu langer Zeit entdeckt haben; eine Frau mit verschiedenen Bekanntenschaften in unterschiedlicher Intensität, welche gar nicht so genau definiert werden können / wollen / müssen; ein fest zusammenlebendes Pärchen mit bereichernden Nebenbeziehungen.

Zur Einstimmung gab es diesmal die kleine Reportage „Ferien in Schlampenau, Sommercamp für unnatürliche Frauen“. In diesem Dokumentarfilm sprechen vier Teilnehmerinnen des Sommercamps über Polyamorie, das Camp selbst, Feminismus, Vernetzung und ihre Träume für die Zukunft. Mit dem Einwurf „ohne Männer wäre das aber recht langweilig“ kamen dann unterschiedliche Diskussionen nach dem doch sehr lesbisch geprägten Film ins Rollen. U.a. wurde die Frage angeschnitten, wieviele/welche Bezugspersonen ein Kind braucht, wer Kinder überhaupt adoptieren darf und welche Beziehungsform eigentlich die natürlichste ist.

Im Verlauf des Abends wurde die These „Beinhaltet Liebe auch Gewalt“ sehr heiß diskutiert. Gewaltige Gefühle, wo man vor Glück am liebsten Bäume ausreißen würde? Kindern, die man liebt, zwingt man Grenzen und Verhaltensweisen auf – schon beim abendlichen Ins-Bett-Schicken gegen den Willen des Kindes übt man z.B. Macht aus. Und was ist mit dem Satz „Ich liebe Dich“ – ist er tatsächlich so gewaltfrei, wie man denken mag? Immerhin kann man damit auch jemanden bspw. emotional erpressen. Aber handelt es sich dann noch um Liebe? Oder läßt man sich lediglich von seinen Ängsten steuern? Angst = Abwesenheit von Liebe?

Die letzte Frage des Abends konnte aus Zeitmangel – es war schon halb/dreiviertel elf und viele mußten am nächsten Tag früh raus – leider nicht mehr wirklich diskutiert werden: Wie erreicht man die Synthese aus „Unabhängigkeit eines Singles“ und „die Sicherheit und Geborgenheit, die nur eine feste Beziehung geben kann“? Interessantes Stichwort an dieser Stelle war die „Dekonstruktion der Dekonstruktion“ – sprich den Beobachter, der das eigene Verhalten in einer Situation beobachtet und analysiert, zu beobachten und zu analysieren, nach neuen Standpunkten Ausschau halten. [Anm. in eigener Sache: Ich würde mich sehr freuen, wenn die beiden Herren – J. und S. – sich vllt. über die Kommentarfunktion melden würden und wir das im kleinen Kreis weiter besprechen? Ich bin mir sicher, daß ich / wir ein paar für euch durchaus spannende Gedanken / Erfahrungen haben – eure Gedanken faszinierten mich auf jeden Fall!]

Liebe Grüße an alle und vielen Dank für den schönen Abend!
Conny

PS: Als Buchtip wurde „Fragmente einer Sprache der Liebe.“ von Roland Barthes genannt.

Oktoberstammtisch

Hallo Leute,

hier der Termin für den Oktoberstammtisch:

Dienstag, 12. Oktober,
20:00 Uhr
Buchbar

Da Lena diesmal diesmal definitiv keine Zeit hat, wird jemand gesucht, der am besten bereits ein paar Minuten vor Beginn in der Buchbar ist, damit eventuell neu dazustoßende TeilnehmerInnen eine(n) AnsprechpartnerIn vorfinden.

Ruft jemand „hier“?

Viele Grüße
Conny

Zweiter Stammtisch – Rückblick

Gestern war unser zweiter Stammtisch im Barnebys in der Neustadt. Ganz hinten im letzten Raum fand sich unsere Gruppe zusammen, um gemeinsam zu quatschen (und zu frösteln). Die Runde bestand diesmal aus ca. 15 Leuten, von denen die meisten schon zu Beginn da waren, aber auch alle Nachkommenden wurden freudig begrüßt. Viele Gesichter waren noch vom ersten Treffen bekannt, aber es gab auch einige neue. Daher haben wir zunächst noch einmal mit einer kurzen Vorstellungsrunde begonnen, einerseits um die Namen und Eindrücke aufzufrischen, andererseits um einfach einen guten Einstieg ins Gespräch zu finden.
Dann gings auch schon los mit Diskutieren, der Begriff „Beziehung“ stand im Raum und was mensch denn eigentlich als Beziehung definieren kann. Schnell wurde deutlich, daß es nicht nur eine Art von Beziehung gibt. Selbst auf die „Paarbildung zwischen zwei Menschen“ bezogen gibt es mehr mögliche Arten von Beziehungen, als man zunächst vermuten würde – und schon gar nicht wird eine Beziehung allein über den sexuellen Kontakt definiert. Es kristallisierte sich sehr gut heraus, daß Kommunikation in jeder zwischenmenschlichen Interaktion eine Schlüsselrolle zukommt und mensch niemals etwas als gegeben voraussetzen sollte. Zudem sollte mensch mit Kommunizieren nicht erst anfangen, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist. Viele Mißverständnisse und Konflikte entstehen einfach dadurch, daß die Beteiligten ihre Gefühle und Wünsche nicht richtig mitteilen (können) und für sich behalten.
Anschließend wurde die Frage gestellt, wer denn schon Erfahrungen mit „Mitfreude“ gemacht hätte. Sprich sich darüber freuen, daß dem Partner/der Partnerin etwas Gutes widerfährt (wie z.B. sich in einen anderen Menschen zu verlieben), anstatt eifersüchtig zu sein. Tatsächlich konnten einige davon berichten, wie schön doch das Gefühl der Mitfreude ist, Eifersucht deswegen aber nicht automatisch verschwindet. Ob mensch mit Eifersucht oder Mitfreude reagiert, hängt viel davon ab, wie der Partner/die Partnerin seine/ihre Erlebnisse schildert. Sprüht er/sie vor Freude und läßt den anderen an seinen Erlebnissen teil haben, kann mensch gar nicht anders, als sich mit zu freuen. Wird jedoch ein Geheimnis daraus gemacht, was mit einem dritten Menschen erlebt wurde (auch wenn es aus dem Gedanken heraus geschieht, den anderen nicht verletzen zu wollen), kommt schnell Eifersucht auf, zumindest aber ein Gefühl des Mißtrauens oder Unbehagens. Wichtig sind hier Offenheit, Ehrlichkeit und Loyalität. Diese anzustrebenden Eigenschaften sind übrigens sicher nicht nur in einer polyamorösen Beziehung der Weg zum Erfolg.
Neben diesen Hauptthemen wurden auch Fragen einzelner TeilnehmerInnen zu bestimmten Situationen und Erlebnissen diskutiert. Viele empfanden es als angenehm und befreiend, in dieser Runde über Probleme oder Gedanken sprechen zu können, bei denen sie im normalen Alltag sonst eher mit skeptischen, mitleidigen oder unverständlichen Blicken bedacht würden. Am Rande blitzte kurz auf, daß die frühkindlichen Erfahrungen (selbst noch im Mutterleib) einen großen Einfluß auf das spätere Beziehungsleben haben können.
Später am Abend, nachdem uns auch schon die ersten wieder verlassen mußten, bildeten sich kleinere Gesprächsgruppen. Die meisten blieben bis ca. 21:30 Uhr / 22:00 Uhr. Mit knapp 3 Stunden war es ein sehr schöner Abend mit spannenden Themen und interessanten GesprächsteilnehmerInnen.

Vielen Dank an alle, die da waren!

Conny