Archiv für Februar 2011

Februarstammtisch 2011 – Rückblick

Zweiter Stammtisch in diesem Jahr, der perfekte Zeitpunkt also, die Tradition des Rückblicks wieder aufzunehmen.

Neben vier Leuten, die schon seit Gründung des Stammtisches dabei sind, durften sieben neue bis ganz neue Gesichter begrüßt werden. In einer fragmentarischen Kennenlernrunde offenbarten sich interessante Beziehungsmodelle – u.a. die Eltern eines kleinen Kindes, die in getrennten Wohnungen im gleichen Haus wohnen, kein Liebespaar mehr sind und trotzdem den Spagat aus Familien- und eigenes Privatleben meistern; zwei Frauen, die schon seit Jahren befreundet sind und ihre gemeinsamen Gefühle erst vor nicht allzu langer Zeit entdeckt haben; eine Frau mit verschiedenen Bekanntenschaften in unterschiedlicher Intensität, welche gar nicht so genau definiert werden können / wollen / müssen; ein fest zusammenlebendes Pärchen mit bereichernden Nebenbeziehungen.

Zur Einstimmung gab es diesmal die kleine Reportage „Ferien in Schlampenau, Sommercamp für unnatürliche Frauen“. In diesem Dokumentarfilm sprechen vier Teilnehmerinnen des Sommercamps über Polyamorie, das Camp selbst, Feminismus, Vernetzung und ihre Träume für die Zukunft. Mit dem Einwurf „ohne Männer wäre das aber recht langweilig“ kamen dann unterschiedliche Diskussionen nach dem doch sehr lesbisch geprägten Film ins Rollen. U.a. wurde die Frage angeschnitten, wieviele/welche Bezugspersonen ein Kind braucht, wer Kinder überhaupt adoptieren darf und welche Beziehungsform eigentlich die natürlichste ist.

Im Verlauf des Abends wurde die These „Beinhaltet Liebe auch Gewalt“ sehr heiß diskutiert. Gewaltige Gefühle, wo man vor Glück am liebsten Bäume ausreißen würde? Kindern, die man liebt, zwingt man Grenzen und Verhaltensweisen auf – schon beim abendlichen Ins-Bett-Schicken gegen den Willen des Kindes übt man z.B. Macht aus. Und was ist mit dem Satz „Ich liebe Dich“ – ist er tatsächlich so gewaltfrei, wie man denken mag? Immerhin kann man damit auch jemanden bspw. emotional erpressen. Aber handelt es sich dann noch um Liebe? Oder läßt man sich lediglich von seinen Ängsten steuern? Angst = Abwesenheit von Liebe?

Die letzte Frage des Abends konnte aus Zeitmangel – es war schon halb/dreiviertel elf und viele mußten am nächsten Tag früh raus – leider nicht mehr wirklich diskutiert werden: Wie erreicht man die Synthese aus „Unabhängigkeit eines Singles“ und „die Sicherheit und Geborgenheit, die nur eine feste Beziehung geben kann“? Interessantes Stichwort an dieser Stelle war die „Dekonstruktion der Dekonstruktion“ – sprich den Beobachter, der das eigene Verhalten in einer Situation beobachtet und analysiert, zu beobachten und zu analysieren, nach neuen Standpunkten Ausschau halten. [Anm. in eigener Sache: Ich würde mich sehr freuen, wenn die beiden Herren – J. und S. – sich vllt. über die Kommentarfunktion melden würden und wir das im kleinen Kreis weiter besprechen? Ich bin mir sicher, daß ich / wir ein paar für euch durchaus spannende Gedanken / Erfahrungen haben – eure Gedanken faszinierten mich auf jeden Fall!]

Liebe Grüße an alle und vielen Dank für den schönen Abend!
Conny

PS: Als Buchtip wurde „Fragmente einer Sprache der Liebe.“ von Roland Barthes genannt.

Der Februarstammtisch…

…findet statt am Dienstag, den 8. Februar 2011 um 20:00 Uhr, wieder in der Buchbar im Sonnenhof.
Es gibt wahrscheinlich eine kurze Doku über die Ferien in Schlampenau zum anschauen, ansonsten wieder Diskussion und Gespräch zu was euch immer auch auf der Seele brennt.